Weiter als ein Marathon
Zwei Tage nach dem K7 Nighttrail kam der eigentliche Brocken meines Innsbruck-Wochenendes: der K42 Trailmarathon. Der Name täuscht ein bisschen, in der UTMB-Wertung steht er mit 46 Kilometern und 2.410 Höhenmetern. Laut Uhr waren es am Ende sogar 47,5 Kilometer.
Für mich war das der erste Lauf über Marathondistanz überhaupt, mein erster Ultra. Und dann gleich in den Alpen. Noch nie war ich so eine Distanz gelaufen, noch nie so viele Höhenmeter am Stück. Am Abend vorher hab ich's selbst kaum geglaubt: Wecker auf 4:15 Uhr, Startschuss um 7:30, 48 Kilometer. Kacke, ich mach das wirklich. 🙈 Aber ich war echt gehyped.

Am Tag vor dem Rennen: Gute Laune auf dem roten Teppich am Zielbogen.
Rauf, runter, nochmal rauf
Kurz vor fünf ging's zum Shuttlebus, eine Dreiviertelstunde Fahrt bis zum Start. Oben war's kalt und ich ein bisschen aufgeregt. Los ging's laut Uhr auf gut 1.550 Metern, und zwar direkt bergauf. Die Kilometer 2 bis 4 hatten zusammen über 650 Höhenmeter, jeder einzelne dauerte über 20 Minuten. Schneller wäre aber auch gar nicht gegangen: Bis zum ersten Gipfel gab es Rückstau, Überholen war fast unmöglich. Oben, auf über 2.200 Metern, lag noch Schnee.

Ganz oben: Schnee, Sonne und Startnummer 4755.
Nach einem zweiten Anstieg bei Kilometer 9 und 10 war klar: Das wird ein langer Tag. Für die ersten zehn Kilometer hab ich über drei Stunden gebraucht. Kilometer 10 war mit 26:04 Minuten und 249 Höhenmetern übrigens mein langsamster. Danach ging es lange bergab, bis runter auf rund 600 Meter ins Tal. Ab dem zweiten Downhill lief es dann ziemlich rund, ich hatte meinen Rhythmus gefunden. Unten wurde es flacher, und auf Kilometer 24 lief's mit 5:37 so schnell wie sonst nirgends. Die 10-Stunden-Marke war auf einmal greifbar.

Zwischen Bergsee und Schneegipfeln.
Gewitter, Hagel, Ziel
Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach 30 Kilometern wartete noch einmal über 1.000 Höhenmeter am Stück: Von Kilometer 31 bis 37 ging es laut Uhr von gut 600 auf über 1.600 Meter, ab Kilometer 32 dauerte jeder Kilometer zwischen 18 und 23 Minuten. Am Ende dieses dritten und letzten Anstiegs fing es an zu gewittern und zu hageln. Also Regenjacke an und langsam weiter. Sehr langsam. Der Boden war komplett durchgespült und super rutschig, um mich herum haben sich andere reihenweise auf die Nase gelegt.
Nach 9:42 Stunden war die Marathondistanz durch, danach ging's die letzten Kilometer runter nach Innsbruck. Die letzten Meter ins Ziel waren Wahnsinn: Du hörst deinen Namen, dir wird bewusst, dass du es geschafft hast, und du bist den Tränen nah. Nach offiziell 10:24:58 Stunden bin ich stolz wie Bolle über die Ziellinie gelaufen. Platz 243 von 275 bei den Männern, insgesamt 318 von 368. Erster Ultra: gefinisht. 🎉
Und schöne Grüße an alle, die vorher gesagt haben, dass ich das nicht schaffe, weil ich zu wenig trainiere. 😊

Im Ziel in Innsbruck: Stöcke, Flasche, Regen.
Es war ein Höllenritt und gleichzeitig unfassbar schön.
Sebastian

Medaille um den Hals, die Stöcke noch in der Hand.
Mein Rennen in Zahlen
- Zeit (offiziell): 10:24:58,5
- Laut Uhr: 47,5 km, rund 2.780 Höhenmeter
- Laut UTMB-Wertung: 46 km, 2.410 Höhenmeter
- Gesamt: Platz 318 von 368
- Männer: Platz 243 von 275
- Erste 10 km: über 3 Stunden
- Marathondistanz: nach 9:42 Stunden
- Langsamster Kilometer: 26:04 (km 10, 249 Höhenmeter)
- Schnellster Kilometer: 5:37 (km 24)
- Schlussanstieg km 31 bis 37: rund 1.060 Höhenmeter in 2:15 Stunden
- Wetter: Hitze, später Gewitter und Hagel
Quellen: Ergebnisliste raceresult, UTMB, Strava
Wissenswertes zum K42 Trailmarathon 2023
- Der K42 gehörte zum Innsbruck Alpine Trailrun Festival, das 2023 nur wenige Tage vor der Berglauf- und Trailrunning-WM in Innsbruck und im Stubaital stattfand.
- Über drei Tage waren mehr als 4.000 Teilnehmende am Start, so viele wie nie zuvor.
- Im K42 kamen 368 Läuferinnen und Läufer ins Ziel, 93 Frauen und 275 Männer. 40 sind ausgestiegen.
- Die Siegerzeit lag bei 4:54:15 Stunden, die schnellste Frau brauchte 5:50:40 Stunden.
- Die längste Strecke des Festivals war der K110 Masters of Innsbruck. Er startete zusammen mit dem K85 in der Nacht auf Samstag um Mitternacht.
Quellen: Ergebnisliste raceresult, UTMB, hdsports.org
